Ein Musikkonzept im Wandel

In der Rolle als Vorstand treibt Kristina Rohn die Neuausrichtung des Musikkonzepts im Kanton Graubünden aktiv voran. Ziel ist es, musikalische Qualität zu sichern und gleichzeitig auf veränderte Lernrealitäten zu reagieren. Der Prozess eröffnet neue Chancen, bringt aber auch Spannungsfelder mit sich. Im Gespräch ordnet Kristina diesen Neustart ein.

Warum braucht das Konzept eine neue Ausrichtung?
Im Kanton Graubünden haben wir vier Talentklassen, die jeweils über ein eigenes Musikkonzept verfügen. Zwar basieren alle auf dem ersten und bewährten Konzept der Talentschule Surselva, dennoch gibt es im Grundprogramm und Angebot unter den Schulen grössere Unterschiede. Dies führt teilweise zu Verwirrung bei Kindern und Eltern und resultiert in der Annahme, dass die Talentklassen qualitativ unterschiedlich betrachtet werden können. Eine derartige, potenzielle Konkurrenzentwicklung empfinden wir als kontraproduktiv. Da Lehrpläne und Konzepte an Schulen regelmässig überprüft und weiterentwickelt werden, ist es angezeigt, die aktuellen Konzepte der TK-Musik zu überarbeiten. Dabei gilt es erfolgreiche und bewährte Elemente zu bewahren und weniger gut funktionierende Komponenten zu optimieren.

Welchen konkreten Mehrwert sollen die Schüler:innen künftig erfahren?
In erster Linie sollen die Schüler:innen spüren, dass die Talentschulen im Kanton Graubünden im Bereich Musik zusammenarbeiten. Teamgeist ist zentral. Darüber hinaus soll durch das überarbeitete Konzept gewährleistet werden, dass Unterrichtsinhalte, Arbeitsbedingungen und das gesamte Angebot für alle gleichwertig sind. Damit senden wir eine klare Botschaft: wir sind bereit unsere Handlungen und Konzepte zu hinterfragen, zu prüfen und weiterzuentwickeln.

Welche Elemente müssen unbedingt erhalten bleiben, damit die musikalische Qualität gesichert ist?
Für Schüler:innen, die später möglicherweise professionell auf der Bühne stehen, sind Elemente wie Theater-Workshops, Training in Bühnenpräsenz, mentales Training, klassische Gesangstechnik und gemeinsames Musizieren essenziell. In den Talentschulen weist der Talentbereich Musik eine hohe Vielfalt vor: Instrumentalist:innen und Sänger:innen in den Bereichen Klassik und Pop, verschiedene Instrumentengruppen, sowie Tänzerinnen mit Schwerpunkt Musical. Die genannten Bausteine verbinden all diese Gruppen und sind für alle gleichermassen wichtig.

Was brauchen die beteiligten Musiklehrer:innen, Eltern, Lehrkräfte, Jugendlichen und Amtsstellen, um diese Veränderung gut mittragen zu können?
Alle Beteiligten sollen sich gehört und wahrgenommen fühlen. Eine offene und ehrliche Kommunikation sowie das Vertrauen, dass im Interesse der Jugendlichen gehandelt wird, sind entscheidend. Natürlich müssen schulische und amtliche Vorgaben respektiert werden, doch unsere oberste Priorität bleibt eine bestmögliche Ausbildung für die Jugendlichen.

Welche Fehlentwicklungen gilt es bewusst zu vermeiden?
Stillstand. Das Gefühl „wir sind gut so, wie wir sind“ ist trügerisch. Erkennung und Anerkennung der vorhandenen Qualitäten ist wichtig, aber auch die Einsicht, dass Verbesserungen und Optimierungen nicht nur möglich, sondern auch notwendig sind.

Was wünschst du dir von den Schulen, die diesen Weg aktiv mitgehen?
Ich wünsche mir weiterhin den starken Teamgeist, den ich in den vergangenen Monaten erleben durfte. Zusammenhalt, Offenheit im Austausch, die Bereitschaft zu Veränderungen und Mut, Neues auszuprobieren. In dieser Zeit habe ich deutlich gespürt, dass wir uns wirklich weiterentwickeln und vor allem aufeinander zubewegen und diese positive Dynamik möchte ich unbedingt fortsetzen.

Woran würdest du in fünf Jahren erkennen, dass dieser Neustart gelungen ist?
An einer stabilen Zahl von Jugendlichen, die sich für die Talentklassen Musik entscheiden, sowie an einer starken Unterstützung und Befürwortung durch Musikschulen und Eltern. In fünf Jahren soll die Talentschule Musik eine noch verlässlichere und stärkere Partnerin für talentierte Jugendliche sein, die ihr musikalisches Potenzial entfalten möchten.

Herzlichen Dank Kristina für deine Zeit und die interessanten Ausführungen. Wir wünschen dir bei der Umsetzung ganz viel Erfolg und freuen uns darauf, unseren Teil zu einem guten Gelingen beitragen zu dürfen.