Seit bald 50 Jahren verbindet die Coray Holzbau AG in der Surselva Erfahrungen aus Zimmerei und Schreinerei Arbeiten mit neuen Ansätzen. Im Arbeitsalltag zeigt sich, wie wichtig Vielseitigkeit auf der Baustelle ist. Gleichzeitig wird klar, wo Präzision und Spezialisierung entscheidend sind.
Ein Blick hinter die Kulissen eines Partners der Talentschule, und an einen Ort, welcher bereits einige ehemalige Schüler im Berufsalltag geformt hat.
Lieber Corsin, was unterscheidet für dich einen guten von einem sehr guten Handwerker im Alltag?
Wer im Handwerk sehr gut ist, denkt mit, erkennt Zusammenhänge und bringt eigene Lösungen ein. Gleichzeitig zeichnet er sich durch Geschick und Präzision in der Ausführung aus.
Wie wichtig ist Vielseitigkeit im Handwerk im Vergleich zur Spezialisierung?
Vielseitigkeit ist in unserem Handwerk zentral, weil sie uns für unterschiedlichste Baustellen und Aufgaben stark macht. Gleichzeitig bringt sie Abwechslung und macht die Arbeit spannend. Spezialisierung ist punktuell wichtig, aber eine breite fachliche Basis bleibt entscheidend.
Wo sagst du klar, hier braucht es einen, der sein Handwerk bis ins Detail beherrscht?
Vor allem in der Planung braucht es Leute, die ihr Handwerk bis ins Detail beherrschen, weil dort die Grundlage für das ganze Projekt gelegt wird. Ebenso bei der Bedienung von CNC-Maschinen – das sind computergesteuerte Anlagen, die Bauteile millimetergenau fertigen und entsprechend sehr präzises Fachwissen verlangen.
In welchen Situationen auf der Baustelle ist es ein klarer Vorteil, wenn jemand vielseitig ist?
Vor allem bei Umbauten ist Vielseitigkeit ein grosser Vorteil. Dort passt selten alles auf Anhieb, und man trifft oft auf Details, die man vor Ort lösen muss. Auch in kleineren Teams oder unter Zeitdruck ist es wichtig, dass jemand mehrere Bereiche abdecken kann.
Wie findest du im Betrieb die richtige Mischung zwischen Allrounder und Spezialist?
Unsere langjährigen Mitarbeitenden haben durch viele unterschiedliche Projekte ein breites und fundiertes Fachwissen aufgebaut und sind dadurch sehr vielseitig einsetzbar. Gleichzeitig fördern wir gezielt Weiterbildungen und individuelle Stärken, damit sich Mitarbeitende auch in bestimmte Bereiche vertiefen können. So entsteht eine gute Balance zwischen Allroundern und Spezialisten.
Wo wird fehlende Tiefe im Fachwissen zum Problem, vielleicht sogar zum Risiko?
Bei sicherheitsrelevanten Themen und in der Statik im Holzbau wird fehlende Tiefe im Fachwissen schnell zum Problem. Fehler bei Tragwerken oder Verbindungen können die Stabilität gefährden und ein Risiko für die Mitarbeitenden darstellen.
Wie entwickelt sich ein junger Mitarbeitender aus deiner Sicht am besten?
Junge Mitarbeitende entwickeln sich am besten, indem sie Schritt für Schritt Verantwortung übernehmen. Dabei ist es wichtig, dass sie gefordert werden, aber auch Unterstützung bekommen und sich im Team wohlfühlen.
Welche Fehler siehst du häufig bei Lernenden in den ersten Jahren?
Ich würde da weniger von Fehlern sprechen – das gehört in der Ausbildung dazu und darf passieren. Wenn doch einmal etwas schiefläuft, ist es am wichtigsten, dass der Lernende daraus lernt und es kein weiteres Mal wiederholt. Am Anfang wird zudem der Zeitaufwand für eine Aufgabe oft unterschätzt.
Was muss ein Lernender heute auf der Baustelle wirklich können, damit er dir eine Hilfe ist?
Ein Lernender oder eine Lernende muss vor allem motiviert sein und die Arbeit sehen, also selbstständig mitdenken und anpacken. Gleichzeitig ist es wichtig, dass er oder sie körperlich fit, pflichtbewusst und ehrlich ist.
Lieber Corsin, vielen Dank für den spannenden Austausch.