Entscheidungen & Konsequenzen

Unser Koordinator Marius Cadalbert erläutert uns, wie es zur Wahl des aktuellen Jahresmottos „Entscheidungen & Konsequenzen“ gekommen ist.

Warum habt ihr «Entscheidungen & Konsequenzen» als Jahresthema gewählt?

Wir beobachten im Schulalltag immer wieder, dass Jugendliche die Wirkung ihrer kleinen Entscheidungen unterschätzen. Pünktlich erscheinen, das Material dabeihaben, den Laptop laden oder während des Unterrichts aufmerksam bleiben, das wirkt zunächst nicht besonders wichtig. In der Summe beeinflussen diese kleinen Entscheidungen aber den eigenen Lernerfolg und das Klima in der Klasse. Jede einzelne Entscheidung wirkt klein. Wiederholt sie sich, entsteht daraus eine Gewohnheit. Gewohnheiten prägen mit der Zeit unseren Charakter und unseren Weg.

Was hat das Thema mit der Talentschule zu tun?

Unsere Jugendlichen möchten sich in ihrem Talent weiterentwickeln. Dafür brauchen sie Training, Ausdauer und verlässliche Gewohnheiten. Fortschritt entsteht selten durch eine einzige grosse Entscheidung. Er entsteht durch viele kleine Entscheidungen, die jeden Tag getroffen werden. Das gilt im Sport, in der Musik und in der Schule gleichermassen.

Geht es bei diesem Thema nicht vor allem um Regeln und Disziplin?

Nein. Regeln und Disziplin gehören dazu, stehen aber nicht allein im Zentrum. Uns geht es vor allem um Verantwortung. Jede Entscheidung hat eine Wirkung, auf mich selbst oder auf andere. Die Jugendlichen sollen lernen, diese Zusammenhänge besser zu erkennen. Sie sollen verstehen, dass ihr Handeln etwas auslöst und dass sie darauf Einfluss nehmen können.

Welche Rolle spielen die Konsequenzen?

Konsequenzen sind zuerst einmal die natürlichen Folgen einer Entscheidung. Wenn ich meinen Laptop nicht lade, kann ich im Unterricht möglicherweise nicht arbeiten. Wenn ich andere störe, erschwere ich ihnen das Lernen. Wenn ich mich gut vorbereite, schaffe ich bessere Voraussetzungen für mich selbst. Wir möchten diese Zusammenhänge sichtbar machen. Es geht weniger darum, sofort eine Strafe auszusprechen. Zuerst soll verstanden werden, welche Wirkung eine Entscheidung hatte.

Wie sprecht ihr ungünstige Entscheidungen an?

Wir versuchen, nicht sofort zu bewerten oder Vorwürfe zu machen. Statt «Warum hast du das getan?» fragen wir beispielsweise: «Welche Entscheidung hast du gerade getroffen?» Danach geht es um die Konsequenz und um den nächsten Schritt. Die entscheidende Frage lautet: «Welche Entscheidung triffst du beim nächsten Mal?» Damit richten wir den Blick nach vorne.

Besteht dabei nicht die Gefahr, dass hauptsächlich Fehler angesprochen werden?

Diese Gefahr besteht. Deshalb ist uns wichtig, positive Entscheidungen häufiger anzusprechen als ungünstige. Das Thema heisst bewusst «Entscheidungen und Konsequenzen» und nicht «Fehlentscheidungen und Konsequenzen». Wenn jemand vorbereitet erscheint, Verantwortung übernimmt oder einem anderen Jugendlichen hilft, soll das ebenfalls angesprochen werden.

Warum reicht ein einfaches «Gut gemacht» nicht aus?

Ein allgemeines Lob fühlt sich vielleicht gut an, hilft aber beim Lernen nur begrenzt. Eine konkrete Rückmeldung zeigt, welches Verhalten hilfreich war. Wir sagen zum Beispiel: «Du hast entschieden, jemandem zu helfen. Damit hast du zu einem guten Lernklima beigetragen.» So versteht die Schülerin oder der Schüler, welche Entscheidung positiv war und welche Wirkung sie hatte.

Welche Bereiche des Schulalltags stehen besonders im Fokus?

Wir konzentrieren uns auf vier Bereiche. Vorbereitung, Mitarbeit, Nachbereitung und Gemeinschaft. Dazu gehören Pünktlichkeit, vollständiges Material, aktive Mitarbeit, ein respektvoller Umgang und das Einhalten von Abmachungen. Ebenso wichtig ist, Aufträge zuverlässig zu erledigen, aus Rückmeldungen zu lernen und Sorge zu Menschen und Material zu tragen.

Was wünschst du dir, dass die Jugendlichen aus diesem Jahresthema mitnehmen?

Ich wünsche mir, dass sie ihre eigene Wirkung stärker erkennen. Sie sollen merken, dass sie ihrem Alltag nicht einfach ausgeliefert sind. Mit ihren Entscheidungen gestalten sie ihren Weg mit. Sie werden weiterhin Fehler machen, das gehört dazu. Entscheidend ist, dass sie die Konsequenzen erkennen, daraus lernen und beim nächsten Mal eine bewusstere Entscheidung treffen.