Selina besucht die dritte Oberstufe und gehört als begabte Sängerin und Klavierspielerin zu den Musiktalenten unserer Schule. Obwohl sie im vergangenen Jahr die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium bestanden hat, entschied sie sich bewusst dafür, ihr drittes Jahr an der Talentschule zu absolvieren. Im Interview erzählt sie, was sie bei dieser Entscheidung beschäftigt hat, welche Konsequenzen damit verbunden sind und was sie dabei über sich selbst gelernt hat.
Du hast die Aufnahmeprüfung für das Gymnasium bestanden. Warum hast du dich trotzdem für ein weiteres Jahr an der Talentschule entschieden?
Bei dieser Entscheidung spielten mehrere Dinge eine Rolle. Ich war zuerst ein Jahr in Flims in der Oberstufe und wechselte danach nach Ilanz. Ich wollte nicht schon wieder die Schule wechseln. Ausserdem hatte ich bereits den Plan, später die FMS zu besuchen. Deshalb fiel es mir schwer, diesen Weg plötzlich zu ändern.
Welche Gedanken gingen dir durch den Kopf, als du zwischen dem Gymnasium und der Talentschule entscheiden musstest?
Ich war vor allem überfordert. Ich sprach mit meiner Familie, mit Verwandten und mit Freunden darüber. Alle hatten eine eigene Meinung dazu, ob ich bleiben oder
wechseln sollte. Mir war aber bewusst, dass ich auch ein Jahr später noch ans Gymnasium wechseln kann. Meine Zeit an der Talentschule wäre dagegen nach diesem Schuljahr vorbei gewesen.
Wer oder was hat dir bei dieser Entscheidung geholfen?
Vor allem meine Familie, meine Freunde und meine Verwandten. Ihre Meinungen haben mir geholfen, verschiedene Seiten zu sehen. Am Ende musste ich aber selbst entscheiden, welcher Weg für mich stimmt.
Was war für dich das stärkste Argument, noch ein Jahr an der Talentschule zu bleiben?
Ich hatte meinen Plan A und wollte ihn so gut wie möglich weiterverfolgen. Dazu kam, dass ich nicht schon wieder die Schule wechseln wollte.
Gibt es Momente, in denen du an deiner Entscheidung zweifelst?
Nein, im Moment nicht. Ich glaube auch, dass das so bleiben wird. Ich könnte ab dem Schuljahr 2027/28 immer noch ans Gymnasium wechseln oder später die Passerelle machen. Mit meiner Entscheidung bin ich zufrieden und ich bereue sie nicht.
Was hast du durch diese Entscheidung über dich selbst gelernt?
Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, lasse ich mich nicht so schnell davon abbringen. Ich möchte meinem Plan oder meiner Idee folgen. Mit neuen Möglichkeiten umzugehen, fällt mir manchmal schwer. Ich könnte mich darauf einlassen, aber oft will ich meinen ursprünglichen Weg lieber beibehalten.
Wann fühlt sich eine Entscheidung für dich richtig an, auch wenn du dafür auf etwas verzichten musst?
Eine Entscheidung fühlt sich für mich richtig an, wenn ich damit anderen eine Freude machen kann und selbst zufrieden bin. Für die Kantiprüfung musste ich viel üben und lernen. Manchmal blieb ich an einem Samstag allein zu Hause, während andere Ski fahren oder langlaufen gingen. Das nervte mich natürlich. Aber genau dann merkt man, wie wichtig einem ein Ziel ist. Wenn du etwas wirklich willst, nimmst du solche Tage in Kauf. Mein Gedanke war: Mach es einmal, aber richtig. Wenn du die Prüfung bestanden hast, kann dir das niemand mehr nehmen.
Wie gehst du damit um, wenn deine Entscheidung andere Menschen enttäuscht oder nicht ihren Erwartungen entspricht?
Es passiert immer wieder, dass andere Menschen eine Entscheidung nicht verstehen oder nicht gut finden. Man kann es nie allen recht machen. Die Meinung meiner Familie und meiner engen Freunde nehme ich mir besonders zu Herzen. Meine Entscheidungen verändern vor allem mein eigenes Leben, positiv oder negativ. Deshalb müssen sie für mich Sinn ergeben. Je älter ich werde, desto mehr Verantwortung übernehme ich für mein Leben und meine Entscheidungen. Kritik nehme ich ernst. Ich möchte mich aber nicht für andere verbiegen, wenn mich das auf meinem Weg hindert.
Wenn du in einem Jahr zurückblickst, woran möchtest du erkennen, dass deine Entscheidung richtig war?
Ich möchte die Talentschule gut abschliessen und mich in meinem Talentbereich weiterentwickeln. Danach hoffe ich, dass mir die FMS Freude macht und ich motiviert in diese neue Schule starte. Dann weiss ich, mein Plan A ist aufgegangen.