Entscheiden, kämpfen und weitergehen

Im Interview spricht Alessandro darüber, wie er Entscheidungen trifft, was er aus Fehlern lernt und wie Verletzungen seinen Blick auf Leistung und Gesundheit verändert haben.

Welche Bedeutung haben Entscheidungen in deinem Leben?

Entscheidungen sind für mich sehr wichtig. Ich bin viel allein unterwegs und muss deshalb selbstständig sein. Dabei trage ich Verantwortung und muss oft vorausdenken.

Welche Entscheidungen musst du als junger Skirennfahrer treffen, die andere Jugendliche vielleicht nicht treffen müssen?

Es sind viele kleine Entscheidungen. Ich muss meine Trainings planen, mich rechtzeitig abmelden und Termine einhalten. Mein Alltag ist stark durchgetaktet. Deshalb muss ich immer vorausdenken und überlegen, was als Nächstes ansteht. Ich kann und will nicht einfach so in den Tag hineinleben.

Was macht eine Entscheidung für dich schwierig?

Oft gibt es mehrere Möglichkeiten. Das kann unsicher machen. Als Jugendlicher verändert man sich und sieht gewisse Dinge später vielleicht anders.

Gleichzeitig muss ich meine Entscheidungen gegenüber meinen Eltern, Lehrpersonen oder Trainern erklären können.

Entscheidest du eher mit dem Kopf, mit dem Gefühl oder mit einer Mischung aus beidem?

Ich entscheide mit einer Mischung aus beidem. Mein Gefühl ist wichtig, aber meistens ist der Kopf etwas stärker.

Wie viel Zeit gibst du dir, wenn eine wichtige Entscheidung ansteht?

Ich versuche, früh genug darüber nachzudenken und nicht unüberlegt zu entscheiden. Zu viel Zeit kann aber auch ein Nachteil sein, weil man immer mehr Möglichkeiten sieht und dadurch verwirrt wird. Deshalb hilft mir eine klare Frist, bis wann ich mich entscheiden muss.

Mit wem sprichst du, bevor du eine schwierige Entscheidung triffst?

Ich spreche vor allem mit meinen Eltern, meinen Lehrpersonen und meinen Trainern. Sie kennen mich und können die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln einschätzen.

Wie findest du heraus, ob ein Rat wirklich zu dir und deinen Zielen passt?

Ich bin neugierig und offen für neue Wege. Wenn es möglich ist, probiere ich auch einmal zwei Varianten aus. Danach kann ich besser spüren und beurteilen, welcher Weg zu mir und meinen Zielen passt.

Hast du schon eine Entscheidung getroffen, obwohl andere Menschen davon abgeraten haben?

Die Entscheidungen, die sich im Nachhinein als ungünstig herausgestellt haben, habe ich meistens allein getroffen. Die Ratschläge meiner Eltern waren für mich dagegen meist hilfreich.

Gehören falsche Entscheidungen für dich zum Weg dazu? Was kannst du aus ihnen lernen?

Fehler sind menschlich und gehören dazu. Nach einer falschen Entscheidung weiss man mehr, weil man die Konsequenzen selbst erlebt. Beim nächsten Mal kann man diese Erfahrung nutzen und bewusster entscheiden.

Denkst du schon vor einer Entscheidung darüber nach, welche Konsequenzen sie haben könnte?

Ja, das gehört für mich klar dazu. Wenn ich eine Entscheidung treffe, muss ich mich auch mit den möglichen Folgen auseinandersetzen.

Du hattest als Skirennfahrer bereits mit Verletzungen zu kämpfen. Welche schwierigen Entscheidungen musstest du in dieser Zeit treffen?

Die Wachstumsprobleme und daraus resultierenden Entzündungen an meinem Knie begannen zirka vor zwei Jahren. Am Anfang fiel es mir schwer, die Situation zu akzeptieren und konsequenter auf meinen Körper zu hören. Dazu kamen unterschiedliche Meinungen der Ärzte. Inzwischen hat sich vieles eingependelt und die Diagnose sowie die Behandlung sind klarer. Im letzten Winter kam nach einem Sturz im Training noch ein Bruch am Schienbeinkopf hinzu. Im Anschluss an so etwas beginnt man oft wieder mit Unsicherheit und muss Schritt für Schritt Vertrauen aufbauen. Dabei ist es wichtig, geduldig mit sich selbst zu bleiben und sich die nötige Zeit zu geben.

Wie entscheidest du, ob du weiterkämpfen, eine Pause machen oder ein Ziel anpassen musst?

In solchen Momenten höre ich vor allem auf meinen Körper. Ich spüre meistens recht gut, was möglich ist und wann ich eine Pause brauche. Dann entscheidet weniger der Kopf als mein Körpergefühl.

Haben die Verletzungen deine Sicht auf Erfolg, Leistung und Gesundheit verändert?

Sie haben meine Sicht beeinflusst, aber nicht komplett verändert. Ich betrachte vieles heute aus mehreren Perspektiven. Man kann nicht immer nur Vollgas geben. Ich überlege genauer, wann ich etwas riskiere und wann Vorsicht sinnvoll ist. Trotzdem möchte ich nicht mit Angst an meinen Sport herangehen.

Wie schaffst du es, an deinem Traum festzuhalten und trotzdem offen für einen anderen Weg zu bleiben?

Mein grosses Ziel ist eine Karriere als Skirennfahrer. Gleichzeitig weiss ich, dass es auch ein Leben neben und nach dem Sport gibt. Ich möchte verschiedene Möglichkeiten kennenlernen, meine Stärken und Interessen besser verstehen und herausfinden, welche Berufsrichtung wirklich zu mir passt. So kann ich an meinem Traum festhalten und gleichzeitig offen für einen anderen Weg bleiben.

Welchen Rat gibst du jungen Sportlerinnen, Sportlern oder Musizierenden, die vor einer wichtigen Entscheidung stehen?

Wäge gut ab und höre Menschen zu, die dich kennen. Für mich sind vor allem die Ratschläge meiner Eltern und meines Trainers wichtig. Wenn es um etwas geht, das dir sehr viel bedeutet, spielt auch dein Bauchgefühl eine grosse Rolle. Oft spürst du dadurch, welcher Weg für dich stimmt.