Vielseitigkeit als Fundament für Entwicklung im Sport

Mit grossem Fachwissen und klarer Haltung hat Werner Generationen von Schülern begleitet. Über viele Jahre setzte er sich konsequent für Bewegung und die Entwicklung junger Menschen ein.
Er steht wie kaum ein anderer für Polysportivität an unserer Schule. Er hat aufgebaut, weiterentwickelt und geprägt. Seine Perspektive zeigt, warum Vielseitigkeit mehr ist als Abwechslung. Ein Gespräch über Grundlagen, Entwicklung und gelebte Erfahrung.

Lieber Werner, was hat dich ursprünglich motiviert, Poly.Sport an unserer Schule aufzubauen?

Ich sah damals die grosse Chance, für sportlich motivierte Jugendliche in unserer Region etwas Sinnvolles aufzubauen. Gleichzeitig war die Zusammenarbeit mit Silvio Pool sowie Albi Egger von Swiss-Ski und dem BSV spannend und bereichernd. Gemeinsam konnten wir ein Konzept entwickeln, hinter dem alle standen.

Welche Bedeutung hatte die Zusammenarbeit mit Trainern, Vereinen und der Schule?

Ohne die Unterstützung der Trainer und Sportpartner wäre der Erfolg unseres Angebots gar nicht möglich gewesen. Natürlich gab es am Anfang auch gewisse Anlaufschwierigkeiten.

Der entscheidende Punkt kam dann, als die Jugendlichen gespürt haben, dass alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und das Konzept gemeinsam tragen. Danach haben sich auch erste sportliche Erfolge eingestellt. Gleichzeitig konnten wir beobachten, dass zum Beispiel Fussballer deutlich weniger verletzungsanfällig waren.

Warum ist eine breite Grundausbildung im jungen Alter so entscheidend?

Das Alter zwischen zehn und dreizehn Jahren gilt als goldenes motorisches Lernalter. In dieser Phase lernen Kinder Bewegungen besonders schnell und nachhaltig. Genau deshalb habe ich im Laufe der Zeit auch unser Zusatzangebot „Poly.kids“ ins Leben gerufen. So konnten viele Kinder bereits ab der 4. oder 5. Klasse vielseitige Bewegungserfahrungen sammeln und eine breite Basis aufbauen.

Welche Fähigkeiten entwickeln junge Menschen durch polysportives Training besonders stark?

Ich denke, polysportiv ausgebildete Jugendliche sind oft flexibler und lernen neue Bewegungen schneller. Sie sind meistens auch neugieriger und offener dafür, Neues auszuprobieren

Was verstehst du unter echter Vielseitigkeit im Sport?

Für mich beginnt echte Vielseitigkeit bei einer breiten körperlichen Ausbildung. Junge Athlet: innen sollen in allen konditionellen und koordinativen Bereichen gut entwickelt sein. Dazu gehören Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination. Gleichzeitig gehört für mich auch der mentale Bereich dazu. Eine positive Einstellung, Selbstvertrauen und der Umgang mit Druck sind ebenfalls wichtige Faktoren. Deshalb versuchen wir als Schule, diese Themen nicht nur im Sportunterricht, sondern im gesamten Schulalltag mitzudenken und die Jugendlichen möglichst ganzheitlich zu fördern.

Was zeichnet aus deiner Sicht langfristig erfolgreiche Athlet: innen aus?

Für mich müssen erfolgreiche Athlet: innen ganzheitlich ausgebildet sein. Sie brauchen starke körperliche und koordinative Fähigkeiten. Genau gleich wichtig ist aber die mentale Seite. Wie bereits gesagt, eine gute Einstellung, gesundes Selbstvertrauen, Freude an hartem Training und Leidenschaft für den Sport gehören für mich klar dazu. Gleichzeitig braucht es trotz Ehrgeiz auch Lockerheit und Freude am Wettkampf.

Ab wann macht Spezialisierung aus deiner Sicht Sinn?

Das ist stark von der Sportart abhängig. In Sportarten wie Kunstturnen oder rhythmischer Sportgymnastik ist der Trainingsaufwand sehr früh enorm hoch. Dort bleibt oft weniger Zeit für eine breite Ausbildung.Andere Sportarten wie Ski alpin sind dagegen komplex. Dort ist vielseitiges Training aus meiner Sicht sogar mitentscheidend für den langfristigen Erfolg.

Wo siehst du den grössten Unterschied zwischen früher und heute?

Bei sportlich engagierten Jugendlichen sehe ich heute keine grossen Unterschiede zu früher. Anders sieht es bei Jugendlichen aus, die keinem Verein angehören. Dort beobachte ich schon einen Rückgang der allgemeinen Bewegungsfreude und des Bewegungsumfangs.

Was könnte im Umgang mit Talent und Förderung zukünftig noch verbessert werden?

Ich erachte Angebote wie die «Wochenmission», welche wir bei uns an der Schule eingeführt haben, als elementar wichtig. Sie beschäftigen sich bewusst mit Haltung, Einstellung und einem gesunden Umgang mit Leistung. Gerade in diesem Bereich können Jugendliche noch stark profitieren.

Welchen Ratschlag möchtest du jungen Athlet: innen mitgeben?

Für mich haben wir vieles richtig gemacht, wenn Jugendliche von sich aus Freude an verschiedenen Sportarten entwickeln und diese Vielseitigkeit auch im Alltag leben. Wenn sie zusätzlich merken, dass ihnen diese Breite sogar in ihrer eigenen Sportart hilft und sie dadurch langfristig gesund und erfolgreich Sport treiben können, dann macht mich das glücklich.

 

Lieber Werner, vielen Dank für das Gespräch und noch viel grösseren Dank für all das Geleistete. Du hast neben Vielseitigkeit auch ganz viel Klarheit und Struktur in unsere Schule gebracht. Wir wünschen dir viel Freude in deinem wohlverdienten Ruhestand.